Ein Brief von Hans Well an die S-Bahn

Liebe S-Bahn

Du hast es immer noch nicht ganz geschafft, mich loszuwerden. Trotz mancher Schikane auf eisigen bzw. heißen S-Bahnsteigen, aufgelockert durch verheißungsvolle Durchsagen im 20 Minutentakt, dass die S-Bahn mit 10 minütiger Verspätung einträfe und daraufhin irgendwann folgenden Kurzzügen. Meistens hast Du ja eh gar keine Lust, uns „verehrten Fahrgästen“ überhaupt etwas zu sagen. Pünktlich kommen bloß die saftigen Preiserhöhungen und Deine Verspätungen. Auch am Montag Vormittag freute ich mich wieder über die feine Ironie Deiner Aufforderung am Hauptbahnhof: „Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkung bitte links aussteigen“. Als wären nicht alle Deine Fahrgäste potentiell mobilitätseingeschränkt. Wir fuhren mit unserem Sohn zu einer Prüfung an ein Münchner Gymnasium. Als alte S-Bahnhasen waren wir, durch einen tags zuvor erlebten Stellwerkschaden in Pasing sensibilisiert, vorsichtshalber 20 Minuten früher aufgebrochen. Wegen einer Deinerseits nicht näher begründeten Verzögerung kamen wir trotzdem 5 Minuten zu spät zur Prüfung. Danach die Rückfahrt: -Wegen einer Betriebsstörung verkehren alle S- Bahnen westwärts erst ab Pasing-. Ich warte am Isartor in der Hoffnung, daß sich das Problem löst. Es löst sich nicht! Circa eine Stunde später gelange ich über Umwege nach Pasing und nach tumultartigem Chaos dort mit 1 ½ stündiger Verspätung gerade noch rechtzeitig heim, um meine Tochter zwengs Geigenunterricht zur S-Bahn zu bringen. Ich beeile mich. Unnötigerweise! Die S-4 Richtung München rauscht mit 5 minütiger Verspätung, dafür ohne anzuhalten durch. Heftiger Regen, der vorherige Zug ist schon ausgefallen, das Bahnhäusl überfüllt, Bombenstimmung bei den „verehrten Fahrgästen“. Nach 25 Minuten hält die nächste S- Bahn, die 40 € für den Geigenunterricht sind großteils schon vergeigt. Ich beschließe, gleich die 10 Min. auf die Bahn, mit der meine Frau aus München kommt, zu warten! Es werden 40 Minuten draus. Daheim rufe ich bei der MVV Beschwerdestelle an.- Warteschleife!„ Dieser Anruf kostet Sie 14 Cent pro Minute“! Nach ca.12 Minuten bin ich verbunden. Mit einer Nürnberger Außenstelle. Der Mann erklärt mir auf meine Frage, wer mir die 40 € Geigenunterricht + Bahnfahrt ersetze mit Oberpfälzer Zungenschlag:„Neamat! Was kinna mir dafür, daß de S-Bahn Software so schlecht is“? Stimmt auch wieder. Eigentlich bemitleide ich ja diese armen Frontschweine, die den Kopf für die Versäumnisse von Bahnmanagment und Politik hinhalten müssen. Für notorische Versäumnisse einer „High Tec Championsleague“ Staatsregierung, die locker Geld für die Startbahn 3 ausgeben will, aber keinerlei bayrischen Sonderweg zu Flughafen findet, bzw. paar Gleise mehr am Nadelöhr Westkopf Pasing zu verlegen oder Strecken auszubauen. Die lange mit der Pendlerpauschale agitierte, statt endlich die Pennerpauschale im Verkehrs- Ministerium sowie diesem in sozialistischer Staatsmanier agierenden „Leckts mich am Arsch“ MVV-Pannenbetrieb abzuschaffen, unter dem 700000 potentielle Opfer fast täglich leiden. Was hätte man mit den 200 Millionen, die für den Transrapid verpulvert wurden, alles machen können. Liebe S- Bahn, warum behandelst Du Deine „ Fahrgäste“, die Dich bestens bezahlen, so? Ich verzichte gerne auf den 10 Minuten–Takt, ein einigermaßen verläßlicher 30 iger Takt täte mir völlig reichen. Als ich meine Tochter abends um 18 Uhr vom Bahnhof abhole, kommt sie bloß 15 Minuten zu spät, also ganz normal . Insgesamt hab ich allein am Montag ca. 3 ½ Std. beim Warten auf Dich, liebe S- Bahn zugebracht. An wen darf ich die Rechnung schicken?

Erwartungsvoll: Hans Well

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